Hanf zählt zu den ältesten und vielseitigsten Nutzpflanzen der Menschheit. Industriehanf, auch als Nutzhanf bekannt, bietet heute eine ökologische Alternative zu Holz, Baumwolle und Erdöl. Die Pflanze hat auch in Bayern das Potenzial, eine Schlüsselrolle in der nachhaltigen Landwirtschaft zu spielen.
In Europa wurde Hanf bereits vor Jahrtausenden als Rohstoff genutzt. Der anfängliche Buchdruck des 15. Jahrhunderts beruhte auf Hanfpapier und kurz darauf waren Hanffasern für die Seefahrt unverzichtbar, denn Segel, Seile und auch Uniformen wurden daraus gefertigt. Doch mit Baumwolle, Holz-Zellstoff und Erdöl verlor er an Bedeutung. Im 20. Jahrhundert verdrängten synthetische Fasern und wirtschaftliche Interessen großer Industrien Hanf endgültig vom Markt. Erst in den 1990er Jahren wurde sein Anbau in vielen Ländern wieder erlaubt und heute erlebt Industriehanf ein Comeback. 2024 wurden in Deutschland 7.116 Hektar angebaut, besonders in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Auch Bayern verzeichnete ein Wachstum von 76 Hektar im Jahr 2016 auf 576 Hektar im Jahr 2024.
Nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten
Industriehanf ist kein Allheilmittel, hat aber großes Potenzial für eine nachhaltige Wirtschaft. Hanffasern sind beispielsweise eine Alternative zu Baumwolle, die viel Wasser und Chemikalien benötigt. Auch als Kompositwerkstoff für die Automobil- und Bauindustrie gewinnt Hanf zunehmend an Bedeutung. Hanfbasierte Kunststoffe helfen, den Einsatz von Erdöl zu reduzieren und Plastikmüll nachhaltig zu verringern. Diese Biokunststoffe können biologisch abbaubar sein und herkömmliches Plastik in vielen Bereichen, wie Verpackungen, Bauteile und Alltagsgegenstände, ersetzen.
Hanf wird auch für die Papierproduktion genutzt. Er wächst in vier Monaten und liefert bis zu zehnmal mehr Papier pro Hektar als Holz. Mit bis zu 75 Prozent Zellulose erfordert seine Verarbeitung weniger Chemikalien. Zudem ist Hanfpapier langlebiger, vergilbt nicht und kann häufiger recycelt werden.
Als CO2-Speicher bindet Hanf bis zu 15 Tonnen CO₂ pro Hektar und verbessert die Bodenqualität. Wird er als Dämmstoff oder Hanf-Kalkstein genutzt, bleibt der Kohlenstoff langfristig gespeichert.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Der Anbau von Nutzhanf bietet mit durchschnittlichen Erträgen von ca. 12 Tonnen Stroh bzw. 1,2 Tonnen Samen pro Hektar großes Potenzial. Der Ausbau der Infrastruktur könnte seine Wirtschaftlichkeit weiter steigern. Mehr Verarbeitungsanlagen und kürzere Transportwege würden Landwirten den Anbau erleichtern und neue Märkte erschließen.
Um Hanf als nachhaltigen Rohstoff zu etablieren, könnten Fördermaßnahmen helfen: Mögliche Wege wären Anbauprämien, um das wirtschaftliche Risiko zu senken, Zuschüsse für Erntemaschinen und mit regionalen Verarbeitungsanlagen die Wertschöpfungskette stärken. Forschungsförderung könnte neue Hanfsorten entwickeln und Methoden zur CO₂-Speicherung vorantreiben. Auch als Zweitfrucht könnte Hanf Erträge steigern und Böden langfristig verbessern. Einblicke in Forschung, Praxis und Politik rund um zukunftsträchtige Rohstoffe bietet das diesjährige C.A.R.M.E.N.-Forum am 10. März 2025 in Straubing. Die Tagung „Zukunft der Biomasse in Land- und Forstwirtschaft“ geht auf nachhaltige Anbaumethoden und innovative Nutzungsmöglichkeiten ein.

Dr. Daniel Berki-Kiss, C.A.R.M.E.N.-Experte für Industriepflanzen und Paludikulturen
Weitere Informationen gibt es unter www.carmen-ev.de/industriepflanzen/